2006 Tango

Slawomir Mrożek

Regie: Hänel; Birgmeier

Ist die Freiheit zu groß, wächst die Sehnsucht nach dem Verbot Nach den „zu einem furiosen Einakter verdichteten“ (HNA vom 06.06.05) „Räubern“, von und nach Schiller, im letzten Jahr stellt sich das Studententheater der Universität Kassel – Regieteam Volker Hänel, Ulrike Birgmeier – einem Klassiker des absurden Theaters des 20. Jahrhunderts. Eine Familie befindet sich im Zustand der fröhlichen Auflösung: Vater und Mutter haben in ihrer Jugend den grenzenlosen Aufruhr gegen alle Konventionen verkündet und ausgelebt. Der Tango war für sie der sinnliche Protest gegen alle Wohlanständigkeit. Entsprechend lustvoll versuchen sie noch immer, sich gegen das Altern zu wehren. Selbst die Großmutter hat Gefallen an anarchischen Spielchen, denen sich der Onkel vorläufig fügt. Und einem dubiosen Mann von der Straße wird freizügig die Anwesenheit bis zum Beischlaf mit der Mutter nicht verwehrt. Allein der Sohn, Student der Medizin, verführt von der Kraft des Verstandes und unfähig, sein Liebesbedürfnis auszudrücken, sieht sich in diesem haltlosen Chaos hilflos ertrinken. Er begibt sich auf die Suche nach neuen Formen und Werten. Aber in der Heirat mit der naiv-liebestollen Nichte erkennt er bald die Hoffnugslosigkeit seines Unternehmens. Der plötzliche Tod der Großmutter gebiert die Idee, dass mit der Macht, andere sterben lassen zu können, ein neuer Wert gefunden, Ordnung wieder herstellbar sei. Da ist der Fremde von der Straße schneller, erschlägt den Sohn des Hauses und errichtet eine schrille Herrschaft des drakonischen Tango-Schrittes. Mrożeks moritatenartige Groteske der 60er Jahre lässt sich unschwer als Parabel auch für unsere Zeit lesen. STUK setzt am individualistischen Wirrwarr des Zeitgeistes und seiner angestrengten Sinnsuche scharf und unterhaltsam an und treibt das Spiel bis zum tödlichen Ende. Der Sohn röchelt im Sterben: „Ich wollte… Ich wollte… Ich wollte… !“ Der Vater kommentiert – zu spät: „Er wollte die Gleichgültigkeit und das Irgendwie besiegen. Er lebte aus dem Verstand, aber zu leidenschaftlich. Ihn hat das von der Abstraktion verratene Gefühl umgebracht.“

Ensemble

  • Artur
    Tim Ullrich
  • Ala
    Nadine Zednik
  • Eleonore
    Bettina Damaris Lange
  • Stomil
    Stephan Karbaum
  • Eugenia
    Maike Kretzer
  • Eugen
    Alexander Pluquett
  • Edek
    Jens Magersuppe
  • Madame
    Graciette Justo
  • Monsieur
    Dirk Steinhaus

Mediale Unterstützung

  • Cristian Ivan

Technik

  • Ali Moussa

Regie und Gesamtleitung

  • Volker Hänel
  • Ulrike Birgmeier

Presse

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